- Die Europäische Kommission stellt das Technologie-Souveränitätspaket mit Schwerpunkt auf Chips, Cloud, KI und Open Source vor.
- Eine Umfrage in Spanien ergab, dass 87 % der Bevölkerung die Entwicklung europäischer Technologien befürworten.
- Experten warnen vor dem Fehlen von Indikatoren zur Messung des Fortschritts der digitalen Souveränität.
- Die Debatte über die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten und die Notwendigkeit offener Alternativen gewinnt an Dynamik.
Das Konzept der Digitale Souveränität Die Debatte um digitale Souveränität hat sich von einem Nischenthema zu einem zentralen Anliegen der europäischen Politik entwickelt. Mit der kürzlich vorgestellten Technologie-Souveränitäts-Strategie hat die Europäische Kommission einen Fahrplan zur Reduzierung von Abhängigkeiten und zum Aufbau strategischer Autonomie im digitalen Bereich skizziert. Wie Experten und aktuelle Umfragen jedoch zeigen, ist dieser Weg mit Herausforderungen behaftet: von fehlenden klaren Kennzahlen zur Messung des Fortschritts bis hin zu einer Bürgerschaft, die zwar zunehmend informiert ist, aber noch immer nicht vollständig versteht, was digitale Souveränität tatsächlich bedeutet.
In Spanien ergab die erste große Studie zu diesem Thema, die von der Fundación Telefónica in Zusammenarbeit mit Metroscopia durchgeführt wurde, dass 87 % der Bevölkerung sind der Ansicht, dass Europa seine eigenen Technologien entwickeln sollte.82 % der Befragten halten die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten für real. Diese Zahlen, die im Kontext geopolitischer Unsicherheit präsentiert werden, unterstreichen die Dringlichkeit des Handelns, aber auch die Notwendigkeit für die europäischen Institutionen, gute Absichten in konkrete und messbare Maßnahmen umzusetzen.
Das Paket für technologische Souveränität: vier Säulen der Autonomie
Mitte 2026 legte die Europäische Kommission ein Maßnahmenpaket vor, das die Kapazitäten des Kontinents in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz, Cloud Computing und Open Source stärken soll. Das Paket umfasst unter anderem die folgenden Maßnahmen: neues Chipgesetz und eine umfassende StrategieDas Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA), eine Open-Source-Strategie und ein Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor. Technologische Souveränität wird darin als Strategie verstanden, Verringerung des Risikos von Zwang, Unterbrechung des Zugangs und ausländischer ÜberwachungDieser Ansatz hat unter den Mitgliedstaaten breite Zustimmung gefunden, insbesondere nach den Handelsspannungen mit den Vereinigten Staaten.
Das Programm „Digitales Jahrzehnt“, das vor dem 30. Juni 2026 evaluiert werden muss, bildet den Rahmen, in den diese Ziele integriert werden. Laut dem jüngsten Fortschrittsbericht ist Europa noch weit davon entfernt, die für 2030 gesteckten Ziele zu erreichen: Nur 13,5 % der Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz und 38,9 % Cloud-Dienste – deutlich weniger als die prognostizierten 75 %. Die digitale Kluft zwischen Großkonzernen und KMU hat sich zu einem strukturellen Problem entwickelt, und die Abhängigkeit von externen Technologien behindert jeden Versuch der Autonomie.
Europäische Abhängigkeit: Besorgniserregende Zahlen
Eines der am häufigsten wiederholten Ergebnisse der Analysen ist, dass Über 70 % der europäischen Cloud-Infrastruktur basieren auf drei US-amerikanischen Hyperscale-Anbietern.Zudem unterliegen die für Rechenzentren benötigten Chips für künstliche Intelligenz den Exportkontrollen Washingtons, und der europäische öffentliche und private Sektor gibt jährlich 264.000 Milliarden Euro für IT-Produkte und -Dienstleistungen aus, die größtenteils nicht aus Europa stammen. Verschärft wird die Situation durch den Fall ASML: Die Niederlande verboten dem Unternehmen den Export seiner modernsten Lithografiemaschinen nach China. Dies verdeutlicht die klaren Grenzen der europäischen digitalen Souveränität, wenn diese auf Technologien angewiesen ist, die sie nicht selbst herstellt, und auf Regulierungen, die sie nicht kontrolliert.
Eine Umfrage der Telefónica-Stiftung in Spanien zeigt, dass 49 % der Unternehmen diese Abhängigkeit als Bedrohung für die europäische Sicherheit betrachten und 73 % glauben, dass der Kontinent gegenüber den USA und China ins Hintertreffen gerät. Gleichzeitig sind 54 % der Unternehmen zuversichtlich, dass die technologische Souveränität Europas im nächsten Jahrzehnt zunehmen wird – eine Mischung aus Realismus und Hoffnung, die sich auch in der Bevölkerung widerspiegelt: 70 % der Befragten gaben an, eine europäische Plattform zu wählen, wenn diese die gleichen Dienstleistungen wie eine außereuropäische Plattform anböte.
Die Notwendigkeit der Messung: Indikatoren für Souveränität
Eines der Hauptprobleme, auf das Experten hinweisen, ist, dass Dem digitalen Jahrzehnt fehlen Indikatoren zur Messung der Abhängigkeit. Und es geht nicht nur um die bloße Verbreitung. Der aktuelle DESI-Index misst zwar den Umfang der Technologienutzung, aber nicht, auf wen man sich verlässt oder welche geopolitischen Risiken eingegangen werden. Auf der von Byte TI in Sevilla organisierten Veranstaltung argumentierte Fernando Gordillo, IT-Leiter des andalusischen Parlaments, dass digitale Souveränität als strategische Autonomie und nicht als Autarkie verstanden werden sollte und dass es notwendig sei, die Gefährdung auf technologischer Ebene zu messen: Konzentration von Anbietern, operative Redundanz und Unterwerfung unter extraterritoriale Gesetze wie den US Cloud Act oder chinesische Geheimdienstgesetze.
Ignacio M. Llorente von OpenNebula Systems wies seinerseits darauf hin, dass der europäische Cloud-Markt eine strukturelle Anomalie aufweist: Dieselben drei Hyperscale-Anbieter, die den Weltmarkt dominieren, kontrollieren fast 75 % des EU-Marktes. Laut Llorente ist Datensouveränität nicht nur eine Frage des Datenstandorts, sondern auch der Kontrolle über die Hardware, Software und Komponenten, die den Dienst ermöglichen. Der Vorschlag der Kommission, im Rahmen des Gemeinsamen Datenzugangsabkommens (CADA) vier Stufen der Souveränitätssicherung einzuführen, ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ein gemeinsamer Rahmen zur Verhinderung einer Fragmentierung zwischen den 27 Mitgliedstaaten ist weiterhin erforderlich.
Die Kombination aus regulatorischen Vorgaben, wachsender öffentlicher Nachfrage und Brancheninitiativen wie EuroStack deutet darauf hin, dass Europa an einem Wendepunkt steht. Doch ohne ein solides Messsystem und ein echtes Engagement für die Entwicklung von Alternativen besteht die Gefahr, dass digitale Souveränität ein politischer Slogan bleibt und nicht greifbare Realität wird. Die Frage bleibt, ob der Kontinent den Wandel vom Technologiekonsumenten zum Produzenten vollziehen kann, der seine digitale Zukunft selbst gestalten kann.

